Stolpersteinverlegung für Elly Frank

Liebe Leser,

diese Woche erreichte mich die wunderbare Nachricht, dass Elly Stolperstein im Februar 2016 verlegt wird.  Der Originaltermin war einmal im Herbst 2015–doch weil Gunter Demnig zu viele Termine in seinem Kalender hatte, wurden einige Stolpersteine nach hinten verschoben.   Momentan sammele ich Ideen, was ich bei der Zeremonie sagen und mitbringen möchte.  Habt Ihr Ideen oder Vorschläge?  Immer her damit.

Eure Juliane

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Cher Amis und Peterle

Liebe Leser,

Elly hat noch 2 weitere Bücher illustriert. „Was Peterle werden möchte“ und „Cher Amis du Monde des Animaux“.  Zwei weitere Stücke aus der holländischen Kollektion.

Eure Juliane

 

 

Archiv in der Akademie der Künste

Liebe Leser,

nächste Woche recherchiere ich Ellys Ausbildung in der Mal- und Zeichenschule des Vereins der Künstlerinnen. Es sieht so aus, als habe sie dort ihr Handwerk gelernt, aber keine Mitgliedschaft wahr genommen.  Wieder mal habe ich das Gefühl, dass sie hier vorbei gehuscht aber nicht geblieben ist.  Es ist ein bisschen wie Fangen zu spielen.

Die Geschichte der Vereins Berliner Künstlerinnen ist sehr interessant: http://www.vdbk1867.de/geschichte/zeichenschule.html    1893 bezog man eine neue Ausbildungsstätte in der Potsdamer Str. 98, die 3 Kilometer von der Klopstockstraße 54 entfernt ist–Ellys letztem Wohnort.  Ich weiß nicht, ob sie dort lange gewohnt hat.  Vielleicht ist sie öfter umgezogen.  Aber gehen wir mal davon aus, dass sie dort einige Zeit lebte.  Dann hatte sie zur Malschule einen Fußweg von circa 40 Minuten.  Ich denke außerdem, dass sie um 1900 ihre Ausbildung erhalten hat.  1905 wurden ihre Postkarten schon veröffentlicht.  Es kann sein, dass sie nach Ihren Veröffentlichungen nicht mehr lange Unterricht genommen hat. Doch das lasse ich offen: es ist etwas, das ich nicht weiß.  Dann kann die Information nachher noch eingefügt werden, sollte ich sie finden.

Die Schüler und Lehrer der Zeichen- und Malschule sind beeindruckend: Clara Siewert, Maria Slavona sowie Käthe Kollwitz.  1944 wurde sie leider geschlossen.  Am Mittwoch weiß ich mehr über Elly und über das Leben als Künstlerin.  Und natürlich werde ich berichten.

Schönes Wochenende, Eure Juliane

Frau Frank und Frau Schneider

Liebe Leser,

es gibt Frau Frank und Frau Schneider.  Elly und Juliane.  In diesem Artikel erfahrt ihr mehr über mich und wie ich zu Elly gekommen bin.  http://www.presseanzeiger.de/pa/Aktion-Stolpersteine-Wer-kennt-Elly-Frank-770523

Eure Juliane

Gratulantin, Postkarte Elly Frank

Gratulantin, Postkarte Elly Frank

BZ und Bad Saarow

Liebe Leser,

nach grandioser letzter Woche bin ich für eine Verschnaufpause nach Bad Saarow gefahren.  Am Freitag erschien ein großer Artikel in der BZ.  Ellys erhält nun die Öffentlichkeitsarbeit, die sie aus dem Vergessen und in aller Munde bringt.  Vielen Dank an Björn Trautwein für das angenehme Interview und Text und an Wolf Lux für das schöne Foto.  Lest gerne nach, was ich zu sagen habe: http://www.bz-berlin.de/berliner-helden/wer-hilft-bei-der-suche-nach-elly-frank    Ich habe außerdem erfahren, dass es noch weitere Berichte geben wird.  Wann, wo und wie werde ich euch mitteilen, sobald mir diese Informationen vorliegen.

Gleich nach der Veröffentlichung habe ich einige Anrufe erhalten, die mich auf Webseiten und Ahnenforschungsgruppen aufmerksam gemacht haben: z.B. http://pommerscher-greif.de/.  Es entpuppt sich als ein großes Netzwerk an Informationen, die mich näher zu Elly und Elly näher zu euch bringen wird.  Win-Win. Bevor ich mich diesen Quellen, Menschen und Informationen widmen würde, brauchte ich erst mal eine Auszeit.   Eigentlich befinde ich mich seit letzter Woche im Urlaub.  Wegen der Interviews trat ich ihn nicht wirklich an, sondern wartete bis zu diesem Wochenende, an dem ich dann nach Bad Saarow fuhr.  Nach 2 Tagen des Ausspannens bin ich wieder bereit, in Elly Franks Leben einzutauchen.  Vielen Dank an alle, die mir dazu an ellyfrankberlin@gmail.com geschrieben haben.  Ich werde euch in Kürze antworten.

Kurze Randnotiz zu Bad Saarow: ein wunderbarer Ort.  Hier wird der Weitblick wieder scharf gestellt–innen und außen.  Es sind sicherlich auf die negativen Ionen, die helfen.  Am Bahnhof dachte ich wieder an Elly–ich bin auf dem Weg zu Dir!

Ich wünsche euch einen schönen Wintertag.  Haltet euch warm,

Eure Juliane

Bad Saarow Gedächtnistafel

Bad Saarow Gedächtnistafel

Familien FRANK in Stolp

Liebe Leser,

seit dieser Woche bin ich Mitglied in einem Forum, das sich mit Ahnenforschung in Stolp beschäftigt.  Zu meiner Anfrage, wer Ellys Familie war, bekam ich dann auch zwei sehr interessante Vorschläge, die ich auf meiner Reise nach Stolp (erzählte ich das schon?) eingehender recherchieren werde.  Vielen Dank schon mal an Herrn Kerntopf und Herrn Schröder für diese Informationen,  die sie mir beide so schnell und engagiert haben zukommen lassen.  Für Interessierte: http://stolp.de/

Vorschlag Nummer 1:

Elly FRANK am 11.12.1877 in Stolp geboren.

Standesamtsunterlagen fehlen leider, und die jüdischen Matrikel gehen nur bis 1876.

1876 wohnten mehrere Familien FRANK in Stolp, das Adressbuch
aus dem Jahr ist verfügbar.

1875 heiraten in Stolp der Kaufmann Samuel Jacob FRANK und Clara geb.
HEYMANN.  Die Eltern?

Vorschlag Nummer 2:

5297/276 FRIEDEMANN, Louis, Wwer. oo FRANK, Elise

Aufgebot 29.1.1891, Eheschließung 14.3.1891 (Rabbiner Dr. Hahn in Stolp)
Bräutigam wie vor.

Braut wohnhaft Stolp, Holzentormauerstr. 84 a
Tochter des Kaufmanns Mendel  Frank und dessen Ehefrau Emma geb. Friedemann, beide wohnhaft zu Stolp.
geb. 1.8.1861 zu Stolp

Ferner liegt vor eine Bescheinigung des Amtsgerichts (Vormundschaftsgericht) Köslin, vom 23. 1. 1891 „dass der anderweitigen Verheiratung des Kaufmanns Louis Friedemann zu Köslin nach seiner am 31. Dezember 1889 verstorbenen Ehefrau Bertha Friedemann geb. Frank hinsichtlich der Auseinandersetzung mit dem minderjährigen Kinde aus dieser Ehe nichts entgegensteht“.

Siehe auch Datenbank: Juden im nördlichen Teil des ehemaligen Deutschen Reiches
http://online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I35334&nachname=FRANK&modus=&lang=de>

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Nummer 1 klingt plausibel.  Nummer 2 ist besonders spannend, da es sein kann, dass Elly das minderjährige Kind ist.  Im Januar 1891 war Elly nämlich erst 13 Jahre alt.  Wieder meinen Frage an euch Leser: kanntet ihr jemanden, der hier genannt wurde?   Ich freue mich wie immer über Post unter ellyfrankberlin@gmail.com

Eure Juliane

 

 

Postkarten von Bartko und Reher

Liebe Leser,

letzte Woche habe ich mir ein paar–nun gut–einige neue Postkarten bei Bartko und Reher von Elly gekauft.  Ich werde sie häppchenweise zeigen, damit auch alle Exemplare zur Geltung kommen.  Natürlich ist die Postkarte, soweit sie gelaufen ist, genauso auch auf der Rückseite spannend.  Ich nehme diese neuen Beweisstücke als Anknüpfungspunkte, neue Details über Elly zu erfahren.  Sie war eine vielseitige und detailliebende Künstlerin.  Also, taucht ein und schaut her.

Eure JulianeElly neue Postkarten 2.2.2015 mit Rahmen Rückseite Postkarten Elly Frank 2.2.2015 mit Rahmen

Virtuelle Friedhöfe

Guten Abend lieber Leser, liebe Leserin,

ich schreibe euch aus den Abendstunden.  Der Mai möchte sich nicht aufwärmen und die meiste Zeit habe ich heute im Wintermantel oder in der Wohnung verbracht.  Für mich haben die kälteren Temperaturen immer etwas mit Fleiß und Introspektive zu tun.  Also habe ich beides genutzt, um „Untergetaucht–Eine junge Frau überlebt in Berlin“ von Marie Jalowicz Simon zu Ende zu lesen. Ein sehr gutes Buch, das eine Landkarte im inneren Buchdeckel mitbringt.  Ich liebe Landkarten.  Damit lese ich ein Buch mit einer Art Lupe in den Augen.  Im Falle Marie Jalowicz‘ zeigt die Karte die Stadt Berlin und Maries Wohnorte (19 an der Zahl).  Mehr zu dem Buch–und weiteren Tagebüchern oder Memorien–die ich zur Recherche lese,  in einem separaten Eintrag.

Nachdem ich mit dem Lesen fertig war, googelte ich „Elly Frank“.  Dazu muss ich sagen, dass das so aus mir herauskam.  Ich habe auch noch keine  keine Onlinerecherche über Elly bewusst begonnen habe.  Es war immer eine Art Eingebung, die mich zur „Suche“ bewegte.  Ich zitiere hier bewusst das Wort „Suche“, weil ich weiß, dass ich sie und alles, was zu ihr gehört, „finden“ werde.  Finden ist diametral entgegengesetzt von Suchen. Es setzt voraus, dass etwas vorhanden ist und sich zeigt.  Suchen setzt voraus, dass (noch) nichts da ist.  So schaute ich auf die Einträge, viele Bilder von Ellys Postkarten, bis ich dann auf Seite 2 auf eine kuriose Webseite stieß: einen virtueller Friedhof als letzte Ruhestätte.  Findagrave.com dokumentiert den Geburts- und Todesort, sowie gegebenenfalls weitere Informationen oder Bilder zu Millionen von Personen.  Für mein Gefühl schreiben hier vor allen Dingen Mitglieder, die sich für Geschichte interessieren (manche haben über 63,000 Einträge vermerkt). Zuerst empfand ich die Idee einer solchen Datenbank als weit hergeholt.  Auf meiner Suche nach Elly empfinde ich sie jedoch als einen weiteren Anhaltspunkt, der bis jetzt der kurioseste ist.  Die Inhalte des Internet überraschen mich manchmal wirklich.

Hier ist der Eintrag zu Elly (http://www.findagrave.com/cgi-bin/fg.cgi?page=gr&GRid=107089540).  Ein weiterer Link geht zu Ellys letztem Ort, Rumbula Memorial (http://www.findagrave.com/cgi-bin/fg.cgi?page=cr&GRid=107089540&CRid=2466563&). Dort fand ich eine interessante Information heraus, die meinen Verdacht erhärteten, weswegen Elly fast sofort nach ihrer Ankunft in Riga starb.  Zitat der Seite: „Rumbula Memorial war eigentlich als Hinrichtungsort für Einwohner des Riga Ghettos geplant, um Platz für Deportierte aus Deutschland und weiteren besetzten Gebieten zu diesen.  Die ersten Hingerichteten war jedoch der erste Transport von deutschen Juden nach Riga.  Der Transport verließ Berlin am Donnerstag, den 27.11.1941 und erreichte Riga am Samstag, den 29.11.1941.  Da es keinen Platz für diese Menschen gab, wurden sie am nächsten Tag nach Rumbula gebracht und ermordet“. Wenn ihr euch für Geschichte und etwas andere Dokumentationen dazu interessiert, schaut euch die Seite an.

Ich lasse die neuen Details wie immer erst einmal sacken.  Ich wünsche euch einen schönen Abend.

Eure Juliane

Ellys letzte Spuren

Lieber Leser,

meistens schreibt man am Ende einer Geschichte vom Tod eines Menschen. Durch Ellys Leben und dessen besonderen Leitfadens fange ich fast ganz am Anfang meines Schreibens damit an.  Ich habe heute im Bundesarchiv nach ihr gesucht und bin fündig geworden:

Frank, Elly

geboren am 11. Dezember 1877 in Stolp / – / Pommern

wohnhaft in Berlin

Deportationsziel ab Berlin:

27. November 1941, Riga

Todesdatum/-ort:

30. November 1941, Riga – Rumbula

 

Die formelle Ansicht der Daten sind unter http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1050112 zu sehen.

Ich war tief traurig, als ich sah, dass Sie im Konzentrationslager gestorben ist. Das mag vielleicht naiv klingen, wenn ich eine Jüdin recherchiere, die einen Stolperstein erhalten soll.  Ich hatte am Anfang meiner Recherche jedoch keinerlei Hinweise erhalten, wo, wann oder wie Elly gestorben war.  Vielleicht hatte sie sich selbst das Leben genommen.  Vielleicht war sie geflohen. Außerdem war ich bei meiner Initialrecherche nicht auf einem Weg, der zu ihrem letzten Ort geführt hatte. Denn irgendwie sollte ich zu Anfang noch nicht gleich wissen, was passiert ist.   Das hätte mich–so jetzt aus meiner Retrospektive–zu traurig gemacht, als dass ich mit der gleichen unberührten Offenheit meine Nachforschungen betrieben hätte.  Und nun bin ich etwas vorbereiteter.

Nach meiner ersten Trauer möchte jetzt noch mehr über Elly erfahren.  Hatte sie Familie?  War sie verheiratet?  Oder hatte sie eine Liebe, die ihr etwas bedeutete?  Der Name Frank kam sehr häufig vor, was es nicht einfacher macht, Leute zuzuordnen. 1985 wurde noch eine Frank in Stolp geboren.  Alice Frank, 27. März 1885 (http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1012808). Vielleicht war dies ihre Schwester.  Auch sie lebte in Berlin, wurde aber erst eineinhalb Jahre später nach Auschwitz deportiert.  Dazu schreibe ich später noch mehr im Detail.  Bei beiden Frauen steht nicht, dass sie verheiratet waren (wie bei anderen, siehe z.B. bei Anna Frank, geb. Meisel (http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de867157)). Das Gefühl, dass Elly verheiratet war, hatte ich von Anfang an nicht.  Ich kann nicht sagen, warum.  Es ist mein Bauchgefühl.

Ehrlich gesagt möchte ich die neuen Informationen erst mal verdauen.  Eine Tür ist aufgebrochen worden; und hinter ihr sehe ich ein Knäuel neuer Daten, aber auch aus Menschen, über die ich mich vor meiner Reise zu Elly belesen habe oder denen ich wie auch immer „begegnet“ bin.   Damit meine ich zum Beispiel Otto oder Anne Frank.  Natürlich bin ich beiden nicht im ihren Leben begegnet. Doch wenn man Bücher oder Geschichten liebt, dann ist man jedem in dieser Geschichte begegnet.  In Gedanken, in der Fantasie, im Herzen.  Ich habe Annes Tagebuch mehrere Male gelesen und besitze dazu noch das Hörbuch, gelesen von Fritzi Haberlandt (sehr zu empfehlen).  Ich war im Anne Frank Museum in Amsterdam und Berlin.  Ich habe eine Verbindung zu Anne Frank–und ich bin mir sicher, dass viele Mädchen und Frauen diese Liebe teilen.  Ich möchte Anne einen oder mehrere Artikel widmen, die im Laufe meines Schreibens kommen.  Lieber Leser, halte die Augen offen.

Es ist nun 19 Uhr und der Tag wird für mich ruhiger.  Meine Füße sind seit der heutigen Erkenntnisse etwas deutlicher am Berliner Boden.  Und selbst wenn ich in einer anderen Stadt oder einem anderen Land wohnte, wären sie es auch. Es hat mich verändert. Und das ist, so glaube ich, auch ein Leitfaden meiner Geschichte über Elly.  Sie handelt von ihr und mir.  Heute Abend gehe ich ins Bett und denke daran, dass Elly 63 Jahre alt und kurz vor ihrem 64. Geburtstag in Riga ermordet wurde.  Riga ist ca 1200km von Berlin entfernt.  Ich stelle mir vor, dass Elly sofort nach ihrer Ankunft in Riga getötet wurde.  Ob dies herzlos und zugleich erleichternd ist, kann nur Elly selbst sagen.  Plötzlich ist das Wort, das mir bleibt.  Ich bin immer noch sehr traurig.  Ich denke an Dich, Elly. Und ich denke an Dich, lieber Leser.  Vielen Dank für Deine Reise mit mir.

Eure Juliane