Kartei vom Brandenburgischen Landeshauptarchiv

Liebe Leser,

vor ein paar Tagen habe ich zum ersten Mal ein Schriftstück zu Elly per Post bekommen.  Bei einem solchen Suchen und Finden wird eine Information erst richtig wahr, wenn ich etwas in den Händen halte.  Das Brandenburgische Landeshauptarchiv schickte mir eine Karteikarte von Elly zu. Diese „Kartei“ wurde erstellt, um eventuellen Besitz eines Juden vor der Deportation festzuhalten.  Um die genauen Zusammenhänge zu verstehen, schauen wir uns noch mal Ellys Daten an.

Elly wurde am 27.11.1941 aus Berlin deportiert.  Am 25.11.1941, zwei Tage vorher, wurde die 11. Verordnung des Reichsbürgergesetzes erlassen, das auf der einen Seite Deutschland erlaubte, jeglichen Besitz der Juden sein Eigen zu nennen, ihnen weiterhin ihre deutsche Staatsbürgerschaft zu entziehen und sie schlussendlich gesichtslos deportieren zu können.

Da die Daten der Erlassung und Deportation so nah bei einander liegen, ist die Strategie und deren Taktiken umso schockierender.  Elly war staaten- und besitzlos.  Dieses Konzept ist so absurd, dass das Bundesverfassungsgericht 1968 formulierte: „In der 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 25. November 1941 (RGBl. I S. 772) hat der Widerspruch zur Gerechtigkeit ein so unerträgliches Maß erreicht, dass sie von Anfang an als nichtig erachtet werden muss“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Reichsb%C3%BCrgergesetz).

Wie ich schon erahnt hatte, enthält Ellys Kartei keine Besitzvermerke.  Wer genau hinschaut, erkennt oben rechts in der Ecke den Vermerk „alte fehlt“.  Ich bin Elly einen Schritt näher gekommen.  Als nächstes werde ich mich zu einem Kartenladen begeben, um ein paar von Ellys Postkarten zu erwerben.  Wieder etwas in der Hand.

Eure Juliane

Quelle: Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Rep. 36 Oberfinanzpräsident Berlin-Brandenburg (II) Kartei der Vermögensverwertungsstelle

 

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Elly Frank und Philokartie

Lieber Leser,

auf meiner Reise mit Elly Frank lerne ich ständig neue Menschen kennen, und neue Worte. Mein neustes: Philokartie, das Sammeln und Erforschen von Postkarten. Ich bin auf diesem Gebiet Neuling, vor allen Dingen, weil ich mich bis vor kurzem weder für das Sammeln von Postkarten noch von Briefmarken interessiert habe. Wofür ich mich schon immer begeistert habe, ist die Kunst und die Kunstwerke an sich, die auf den Karten abgebildet werden. Ich habe daher das Gefühl, dass es eine Welt und Wissen zur Philokartie gibt, die mir nahegebracht werden muss. Warum?

Ich stelle mir schon seit dem Beginn meiner Recherchen die Frage, weswegen Ellys Postkarten täglich auf eBay und dergleichen versteigert werden, es aber so gut wie keine Informationen zur Künstlerin selbst gibt. Die Frage ist also: weswegen werden die Postkarten verkauft? Ist es wegen der Kunst an sich? Ist es wegen des Wertes als philatelistischer Beleg (http://de.wikipedia.org/wiki/Philokartie), weil die Karten meistens postalisch verschickt wurden? Nachdem ich nur mutmaßen konnte, habe ich Günter Formery, einen Experten, angeschrieben, der dazu sogar 2011 ein Buch herausgebracht hat: „Die Welt des Ansichtskartensammelns“. Sobald ich hier Antwort erhalte, halte ich euch auf dem Laufenden.

Zuletzt habe ich auch über Pictura Paedagogica Online, ein Bildarchiv, das 2 Postkarten von Elly zeigt, weitere Informationen angefragt. Mir war nicht bewusst, wie viele Archive und Kunstliebhaber verschiedenster Art es gibt. Natürlich bringt mich das Leben einer Malerin genau dort hin. Jedes Mal bin ich gespannt, was ich über meine Fragen zu Elly lerne. Man denkt, dass eine Recherche zu Anfang einfach nur Fragen stellt. Sie gibt aber gleich um so mehr zurück.  Das ist das Schöne.

Eure Juliane