Jüdische Mädchenschule in der Auguststraße

Liebe Leser,

ich freue mich immer, wenn ich Post bekomme.  Gestern sendete mir eine liebe Leserin  einige Informationen zu, die sie zu Elly aufgetan hat.  Und sie sind brillant.  Hier eine der Ideen: hat Elly Frank evtuell die ehemalige jüdische Mädchenschule in der Auguststraße 11 in Berlin -Mitte besucht oder hat sie vielleicht dort Zeichenunterricht gegeben?  Viele Künstler haben ein zweites Standbein,weil sie von ihrer Kunst allein nicht leben konnten.  Hat sich jemand von euch schon einmal mit der Schule beschäftigt?  Ich freue mich über Kommentare und Anregungen wie immer unter ellyfrankberlin@gmail.com

Eure Juliane

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Amsterdam, here I come!

Liebe Leser,

es ist offiziell.  Zur Setzung eines Stolpersteines für Anne Frank bin ich in Amsterdam!  Ich freue mich auf Fotos und ein wahres Erlebnis.  Es wird meine erste Stolpersteinverlegung sein und mich auf Ellys großen Tag vorbereiten.  Ich freue mich auf die Reise.

Eure Juliane

Termin im Archiv der AdK

Liebe Leser,

heute hatte ich meinen Termin im Archiv der Akademie der Künste, um über Ellys Geschichte im Verein der Künstlerinnen zu recherchieren.  Leider habe ich noch nichts Neues zu ihr finden können.  Da Elly nur Schülerin war, ist sie nirgendwo in den Mitgliedsakten vermerkt. Normalerweise zeigt die Akte folgende Informationen: ein Deckblatt mit einer Kurzvita, Artikel über Werke oder Veröffentlichen (z.B. der Berliner Kunst-Zeitung von Dr. D. Joseph), Fotos von Werken, Fotos der jeweiligen Person.  Ich fand es spannend, mir einige Akten anzusehen, auch wenn sie nicht von der mir momentan wichtigsten Künstlerin stammen.  Ein Mitarbeiter des Archiv wird für mich weiter recherchieren, inwieweit man Informationen zu Schülerinnen einsehen kann.  Das wäre ein guter Weg zu Ellys Historie im Verein und ein Verständnis für ihre künstlerischen Einflüsse und Entwicklungen.

Parallel habe ich recherchiert, wie man damals als Künstler auf Verlagen aufmerksam gemacht wurde.  Die Vermarktungswege waren klassisch über die Anzeigen in (Fach)Zeitschriften und in Handbüchern (Adressbücher), sowie Wurfsendungen und Postern.  Die beiden Verlage, die Elly gedruckt haben, wurden beide 1939 liquidiert.  Ich möchte im Archiv bei einem späteren Besuch nachsehen, was mit der Kartei bzw. Portfolio an Künstlern aus eben WSSB – Wilhelm S. Schroeder, Berlin und A.R.&.C.iB – Arthur Rehn & Co. in Berlin passiert ist.  Wem gehören die Rechte? Die Humboldt Universität hat jüdische Gewerbebetriebe dezidiert aufgelistet (z.B. http://www2.hu-berlin.de/djgb/www/find?q=K%C3%B6penicker&sort=unternehmen&fq=Branchen%3A%22Verlags-+und+Druckereiwesen%22).  Alle Druckereien waren damals in der Köpenikerstraße in Kreuzberg angesiedelt.   Heute sind hier das Tresor Berlin und das Sage.  Alte Fabrikhallen auf langläufigen Höfen.  Viel Raum, unverputzt und etwas derb.  Eben sehr Berlin.  Ich kann hier die Zeit um 1920 sehr gut spüren.

Bald geht meine Reise zurück ins Archiv oder den Lesesaal der AdK.  Ich werde berichten.

Eure Juliane

Archiv in der Akademie der Künste

Liebe Leser,

nächste Woche recherchiere ich Ellys Ausbildung in der Mal- und Zeichenschule des Vereins der Künstlerinnen. Es sieht so aus, als habe sie dort ihr Handwerk gelernt, aber keine Mitgliedschaft wahr genommen.  Wieder mal habe ich das Gefühl, dass sie hier vorbei gehuscht aber nicht geblieben ist.  Es ist ein bisschen wie Fangen zu spielen.

Die Geschichte der Vereins Berliner Künstlerinnen ist sehr interessant: http://www.vdbk1867.de/geschichte/zeichenschule.html    1893 bezog man eine neue Ausbildungsstätte in der Potsdamer Str. 98, die 3 Kilometer von der Klopstockstraße 54 entfernt ist–Ellys letztem Wohnort.  Ich weiß nicht, ob sie dort lange gewohnt hat.  Vielleicht ist sie öfter umgezogen.  Aber gehen wir mal davon aus, dass sie dort einige Zeit lebte.  Dann hatte sie zur Malschule einen Fußweg von circa 40 Minuten.  Ich denke außerdem, dass sie um 1900 ihre Ausbildung erhalten hat.  1905 wurden ihre Postkarten schon veröffentlicht.  Es kann sein, dass sie nach Ihren Veröffentlichungen nicht mehr lange Unterricht genommen hat. Doch das lasse ich offen: es ist etwas, das ich nicht weiß.  Dann kann die Information nachher noch eingefügt werden, sollte ich sie finden.

Die Schüler und Lehrer der Zeichen- und Malschule sind beeindruckend: Clara Siewert, Maria Slavona sowie Käthe Kollwitz.  1944 wurde sie leider geschlossen.  Am Mittwoch weiß ich mehr über Elly und über das Leben als Künstlerin.  Und natürlich werde ich berichten.

Schönes Wochenende, Eure Juliane

Familien FRANK in Stolp

Liebe Leser,

seit dieser Woche bin ich Mitglied in einem Forum, das sich mit Ahnenforschung in Stolp beschäftigt.  Zu meiner Anfrage, wer Ellys Familie war, bekam ich dann auch zwei sehr interessante Vorschläge, die ich auf meiner Reise nach Stolp (erzählte ich das schon?) eingehender recherchieren werde.  Vielen Dank schon mal an Herrn Kerntopf und Herrn Schröder für diese Informationen,  die sie mir beide so schnell und engagiert haben zukommen lassen.  Für Interessierte: http://stolp.de/

Vorschlag Nummer 1:

Elly FRANK am 11.12.1877 in Stolp geboren.

Standesamtsunterlagen fehlen leider, und die jüdischen Matrikel gehen nur bis 1876.

1876 wohnten mehrere Familien FRANK in Stolp, das Adressbuch
aus dem Jahr ist verfügbar.

1875 heiraten in Stolp der Kaufmann Samuel Jacob FRANK und Clara geb.
HEYMANN.  Die Eltern?

Vorschlag Nummer 2:

5297/276 FRIEDEMANN, Louis, Wwer. oo FRANK, Elise

Aufgebot 29.1.1891, Eheschließung 14.3.1891 (Rabbiner Dr. Hahn in Stolp)
Bräutigam wie vor.

Braut wohnhaft Stolp, Holzentormauerstr. 84 a
Tochter des Kaufmanns Mendel  Frank und dessen Ehefrau Emma geb. Friedemann, beide wohnhaft zu Stolp.
geb. 1.8.1861 zu Stolp

Ferner liegt vor eine Bescheinigung des Amtsgerichts (Vormundschaftsgericht) Köslin, vom 23. 1. 1891 „dass der anderweitigen Verheiratung des Kaufmanns Louis Friedemann zu Köslin nach seiner am 31. Dezember 1889 verstorbenen Ehefrau Bertha Friedemann geb. Frank hinsichtlich der Auseinandersetzung mit dem minderjährigen Kinde aus dieser Ehe nichts entgegensteht“.

Siehe auch Datenbank: Juden im nördlichen Teil des ehemaligen Deutschen Reiches
http://online-ofb.de/famreport.php?ofb=juden_nw&ID=I35334&nachname=FRANK&modus=&lang=de>

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Nummer 1 klingt plausibel.  Nummer 2 ist besonders spannend, da es sein kann, dass Elly das minderjährige Kind ist.  Im Januar 1891 war Elly nämlich erst 13 Jahre alt.  Wieder meinen Frage an euch Leser: kanntet ihr jemanden, der hier genannt wurde?   Ich freue mich wie immer über Post unter ellyfrankberlin@gmail.com

Eure Juliane

 

 

Postkarten von Bartko und Reher

Liebe Leser,

letzte Woche habe ich mir ein paar–nun gut–einige neue Postkarten bei Bartko und Reher von Elly gekauft.  Ich werde sie häppchenweise zeigen, damit auch alle Exemplare zur Geltung kommen.  Natürlich ist die Postkarte, soweit sie gelaufen ist, genauso auch auf der Rückseite spannend.  Ich nehme diese neuen Beweisstücke als Anknüpfungspunkte, neue Details über Elly zu erfahren.  Sie war eine vielseitige und detailliebende Künstlerin.  Also, taucht ein und schaut her.

Eure JulianeElly neue Postkarten 2.2.2015 mit Rahmen Rückseite Postkarten Elly Frank 2.2.2015 mit Rahmen

Übersetzung meiner Elly Frank Postkarte

Lieber Leser,

ich möchte euch die Übersetzung des Sütterlintextes auf der Postkarte, die ich vor kurzem erstanden habe, nicht vorenthalten.  Susanne Besch von Pfefferwerk hat sich als Übersetzerin ans Werk gemacht.  Es handelt sich um eine Nachricht aus dem ersten Weltkrieg.  Sie ist vor 99 Jahren geschrieben worden und macht das Leben in Deutschland im Jahr 1915 eindeutig spürbar.

Eure Juliane

 

Feldpost

Landsturm

Eduard Heinrich.

Inf. Reg. 93.4. Armeekorps.

  1. Inf. Division 3. Batt
  2. Kanpagnie

Berlin den 21.10.15.

Lieber Vater!

Ich teile dir mit das wir noch gesund und munter sind

und hoffen von dir des gleichem. Lieber Vater warum schreibst

du denn nicht ist dir etwas zugestoßen oder hast du keine

Zeit zum schreiben? Wir warten schon alle Tage

auf deinem Brief oder Karte aber wir bekommen

nichts all unser warten ist vergebens. Lieber

Vater deine Kameraden Wischer und Heuck schrei-

ben öfter schreibe du doch auch einmal an uns.

Lieber Vater schreibe uns doch mit was du

brauchst wir würden dir gerne was schicken.

Onkel Johann hat auch geschrieben er ist noch

gesund und munter das hoffen wir auch von dir.

Es grüßt dich Mutter und Kinder.

Abs.   Elisabeth Heinrich

Berlin O 112

Mirbachstr. 47 (heute Bänschstraße, Friedrichshain.  Siehe http://www.luise-berlin.de/strassen/bez05h/m486.htm)

 

Aktionstag Saubere Sache für Thea und Ruth, für Meta und Erika

Lieber Leser,

ich melde mich aus meinem Sommerurlaub direkt von meinem Schreibtisch zurück. Heute Morgen las ich im Tagesspiegel über eine Aktion von Susanne Besch im Prenzlauer Berg, bei der Stolpersteine in der Fehrbelliner Straße geputzt werden. Es ist Teil des Berliner Projektes „Eine saubere Sache“. Im Nachbarschaftshaus Pfefferwerk befand sich in der 30er Jahren ein jüdisches Kinderheim für Kinder wie Thea, Ruth, Meta und Erika. Ihnen wird am 13.09.2014 besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Für mich ist es nicht das Polieren der Steine, sondern die Zeit, die ihnen geschenkt wird, was hier mein Herz bewegt. Ich kann mich immer wieder aufs Neue für die Grundidee dieses Gedenksteines begeistern. Am 13.09. ist wieder so ein Tag.

Wenn ihr nicht die heutige Zeitung zur Hand habt, lest es digital auf http://www.tagesspiegel.de/berlin/saubere-sache-in-prenzlauer-berg-fuer-thea-und-ruth-fuer-meta-und-erika/10671378.html
Ich finde das dazugehörende Foto im Artikel sehr schön (sind es zwei Bilder übereinander?). Schreibt mir, damit ich mein fotografisches Auge schulen kann.

Eure Juliane

Elly Frank und Philokartie

Lieber Leser,

auf meiner Reise mit Elly Frank lerne ich ständig neue Menschen kennen, und neue Worte. Mein neustes: Philokartie, das Sammeln und Erforschen von Postkarten. Ich bin auf diesem Gebiet Neuling, vor allen Dingen, weil ich mich bis vor kurzem weder für das Sammeln von Postkarten noch von Briefmarken interessiert habe. Wofür ich mich schon immer begeistert habe, ist die Kunst und die Kunstwerke an sich, die auf den Karten abgebildet werden. Ich habe daher das Gefühl, dass es eine Welt und Wissen zur Philokartie gibt, die mir nahegebracht werden muss. Warum?

Ich stelle mir schon seit dem Beginn meiner Recherchen die Frage, weswegen Ellys Postkarten täglich auf eBay und dergleichen versteigert werden, es aber so gut wie keine Informationen zur Künstlerin selbst gibt. Die Frage ist also: weswegen werden die Postkarten verkauft? Ist es wegen der Kunst an sich? Ist es wegen des Wertes als philatelistischer Beleg (http://de.wikipedia.org/wiki/Philokartie), weil die Karten meistens postalisch verschickt wurden? Nachdem ich nur mutmaßen konnte, habe ich Günter Formery, einen Experten, angeschrieben, der dazu sogar 2011 ein Buch herausgebracht hat: „Die Welt des Ansichtskartensammelns“. Sobald ich hier Antwort erhalte, halte ich euch auf dem Laufenden.

Zuletzt habe ich auch über Pictura Paedagogica Online, ein Bildarchiv, das 2 Postkarten von Elly zeigt, weitere Informationen angefragt. Mir war nicht bewusst, wie viele Archive und Kunstliebhaber verschiedenster Art es gibt. Natürlich bringt mich das Leben einer Malerin genau dort hin. Jedes Mal bin ich gespannt, was ich über meine Fragen zu Elly lerne. Man denkt, dass eine Recherche zu Anfang einfach nur Fragen stellt. Sie gibt aber gleich um so mehr zurück.  Das ist das Schöne.

Eure Juliane

Virtuelle Friedhöfe

Guten Abend lieber Leser, liebe Leserin,

ich schreibe euch aus den Abendstunden.  Der Mai möchte sich nicht aufwärmen und die meiste Zeit habe ich heute im Wintermantel oder in der Wohnung verbracht.  Für mich haben die kälteren Temperaturen immer etwas mit Fleiß und Introspektive zu tun.  Also habe ich beides genutzt, um „Untergetaucht–Eine junge Frau überlebt in Berlin“ von Marie Jalowicz Simon zu Ende zu lesen. Ein sehr gutes Buch, das eine Landkarte im inneren Buchdeckel mitbringt.  Ich liebe Landkarten.  Damit lese ich ein Buch mit einer Art Lupe in den Augen.  Im Falle Marie Jalowicz‘ zeigt die Karte die Stadt Berlin und Maries Wohnorte (19 an der Zahl).  Mehr zu dem Buch–und weiteren Tagebüchern oder Memorien–die ich zur Recherche lese,  in einem separaten Eintrag.

Nachdem ich mit dem Lesen fertig war, googelte ich „Elly Frank“.  Dazu muss ich sagen, dass das so aus mir herauskam.  Ich habe auch noch keine  keine Onlinerecherche über Elly bewusst begonnen habe.  Es war immer eine Art Eingebung, die mich zur „Suche“ bewegte.  Ich zitiere hier bewusst das Wort „Suche“, weil ich weiß, dass ich sie und alles, was zu ihr gehört, „finden“ werde.  Finden ist diametral entgegengesetzt von Suchen. Es setzt voraus, dass etwas vorhanden ist und sich zeigt.  Suchen setzt voraus, dass (noch) nichts da ist.  So schaute ich auf die Einträge, viele Bilder von Ellys Postkarten, bis ich dann auf Seite 2 auf eine kuriose Webseite stieß: einen virtueller Friedhof als letzte Ruhestätte.  Findagrave.com dokumentiert den Geburts- und Todesort, sowie gegebenenfalls weitere Informationen oder Bilder zu Millionen von Personen.  Für mein Gefühl schreiben hier vor allen Dingen Mitglieder, die sich für Geschichte interessieren (manche haben über 63,000 Einträge vermerkt). Zuerst empfand ich die Idee einer solchen Datenbank als weit hergeholt.  Auf meiner Suche nach Elly empfinde ich sie jedoch als einen weiteren Anhaltspunkt, der bis jetzt der kurioseste ist.  Die Inhalte des Internet überraschen mich manchmal wirklich.

Hier ist der Eintrag zu Elly (http://www.findagrave.com/cgi-bin/fg.cgi?page=gr&GRid=107089540).  Ein weiterer Link geht zu Ellys letztem Ort, Rumbula Memorial (http://www.findagrave.com/cgi-bin/fg.cgi?page=cr&GRid=107089540&CRid=2466563&). Dort fand ich eine interessante Information heraus, die meinen Verdacht erhärteten, weswegen Elly fast sofort nach ihrer Ankunft in Riga starb.  Zitat der Seite: „Rumbula Memorial war eigentlich als Hinrichtungsort für Einwohner des Riga Ghettos geplant, um Platz für Deportierte aus Deutschland und weiteren besetzten Gebieten zu diesen.  Die ersten Hingerichteten war jedoch der erste Transport von deutschen Juden nach Riga.  Der Transport verließ Berlin am Donnerstag, den 27.11.1941 und erreichte Riga am Samstag, den 29.11.1941.  Da es keinen Platz für diese Menschen gab, wurden sie am nächsten Tag nach Rumbula gebracht und ermordet“. Wenn ihr euch für Geschichte und etwas andere Dokumentationen dazu interessiert, schaut euch die Seite an.

Ich lasse die neuen Details wie immer erst einmal sacken.  Ich wünsche euch einen schönen Abend.

Eure Juliane