Aktionstag Saubere Sache für Thea und Ruth, für Meta und Erika

Lieber Leser,

ich melde mich aus meinem Sommerurlaub direkt von meinem Schreibtisch zurück. Heute Morgen las ich im Tagesspiegel über eine Aktion von Susanne Besch im Prenzlauer Berg, bei der Stolpersteine in der Fehrbelliner Straße geputzt werden. Es ist Teil des Berliner Projektes „Eine saubere Sache“. Im Nachbarschaftshaus Pfefferwerk befand sich in der 30er Jahren ein jüdisches Kinderheim für Kinder wie Thea, Ruth, Meta und Erika. Ihnen wird am 13.09.2014 besondere Aufmerksamkeit geschenkt. Für mich ist es nicht das Polieren der Steine, sondern die Zeit, die ihnen geschenkt wird, was hier mein Herz bewegt. Ich kann mich immer wieder aufs Neue für die Grundidee dieses Gedenksteines begeistern. Am 13.09. ist wieder so ein Tag.

Wenn ihr nicht die heutige Zeitung zur Hand habt, lest es digital auf http://www.tagesspiegel.de/berlin/saubere-sache-in-prenzlauer-berg-fuer-thea-und-ruth-fuer-meta-und-erika/10671378.html
Ich finde das dazugehörende Foto im Artikel sehr schön (sind es zwei Bilder übereinander?). Schreibt mir, damit ich mein fotografisches Auge schulen kann.

Eure Juliane

Kartei vom Brandenburgischen Landeshauptarchiv

Liebe Leser,

vor ein paar Tagen habe ich zum ersten Mal ein Schriftstück zu Elly per Post bekommen.  Bei einem solchen Suchen und Finden wird eine Information erst richtig wahr, wenn ich etwas in den Händen halte.  Das Brandenburgische Landeshauptarchiv schickte mir eine Karteikarte von Elly zu. Diese „Kartei“ wurde erstellt, um eventuellen Besitz eines Juden vor der Deportation festzuhalten.  Um die genauen Zusammenhänge zu verstehen, schauen wir uns noch mal Ellys Daten an.

Elly wurde am 27.11.1941 aus Berlin deportiert.  Am 25.11.1941, zwei Tage vorher, wurde die 11. Verordnung des Reichsbürgergesetzes erlassen, das auf der einen Seite Deutschland erlaubte, jeglichen Besitz der Juden sein Eigen zu nennen, ihnen weiterhin ihre deutsche Staatsbürgerschaft zu entziehen und sie schlussendlich gesichtslos deportieren zu können.

Da die Daten der Erlassung und Deportation so nah bei einander liegen, ist die Strategie und deren Taktiken umso schockierender.  Elly war staaten- und besitzlos.  Dieses Konzept ist so absurd, dass das Bundesverfassungsgericht 1968 formulierte: „In der 11. Verordnung zum Reichsbürgergesetz vom 25. November 1941 (RGBl. I S. 772) hat der Widerspruch zur Gerechtigkeit ein so unerträgliches Maß erreicht, dass sie von Anfang an als nichtig erachtet werden muss“ (http://de.wikipedia.org/wiki/Reichsb%C3%BCrgergesetz).

Wie ich schon erahnt hatte, enthält Ellys Kartei keine Besitzvermerke.  Wer genau hinschaut, erkennt oben rechts in der Ecke den Vermerk „alte fehlt“.  Ich bin Elly einen Schritt näher gekommen.  Als nächstes werde ich mich zu einem Kartenladen begeben, um ein paar von Ellys Postkarten zu erwerben.  Wieder etwas in der Hand.

Eure Juliane

Quelle: Brandenburgisches Landeshauptarchiv (BLHA), Rep. 36 Oberfinanzpräsident Berlin-Brandenburg (II) Kartei der Vermögensverwertungsstelle

 

Wald von Rombula–Elly Franks letzter Ort

Dieses Video habe ich zu einem Artikel auf http://www.wider-des-vergessens.org gefunden. Hier sieht man Fotos vom November und Dezmeber 1941 sowie vom heutigen Mahnmal.

(siehe http://www.wider-des-vergessens.org/index.php?option=com_content&view=article&id=67%3Ashoah-in-lettland&catid=7&Itemid=36&limitstart=1)

Antwort von Centrum Judaicum in Berlin zu Elly

Liebe Leser,

die Recherchen gehen weiter.  Vor einem Monat fragte ich im Archiv des Centrum Judaicum (in der Synagoge, Oranienburger Straße Berlin Mitte) zu Elly an, um mehr über ihr Leben in Berlin zu erfahren. Ich wollte nach Personenstandsunterlagen (also Geburts-, Heirats- und Sterbeeinträge) schauen.  Ich wollte wissen, ob Elly verheiratet war.  Ob es vielleicht einen Menschen an ihrer Seite gab, der offiziell dokumentiert wurde.  Dem ist leider nicht so.  Es konnten keine Angaben zu Elly gefunden werden.  Das heißt natürlich nicht, dass es niemanden gab.  Mit großer Wahrscheinlich heißt es aber, dass sie nicht bzw. nie verheiratet war–was ich zu Anfang irgendwie schon vermutet hatte.

Für meine weitere Recherche wurde mir das Brandenburgische Landeshauptarchiv in Potsdam empfohlen.  Dito die Bezirksregierung Düsseldorf, Abt. Wiedergutmachung, Bundeszentralkartei, falls hier eventuell Entschädigung beantragt wurde und Entschädigungsunterlagen existieren.  Wieder eine neue Fährte.  Ich bin gespannt und halte euch auf dem Laufenden.

 

Eure Juliane

 

 

 

Die ganze Welt der Anne Frank

Lieber Leser,

Anne Frank Kollektion

Anne Frank Kollektion

bei meiner Lesereise darf das Tagebuch der Anne Frank natürlich nicht fehlen.  Ich habe nicht nur die erweiterte Ausgabe, sondern auch eine illustrierte Version, die mir meine Mutter schenkte, als ich 12 war.  Ich erinnere mich nicht mehr genau, wann ich zum ersten Mal von Anne Frank hörte.  Woran ich mich sehr deutlich erinnere, ist, ist meine Faszination der Schranktür, die den Eingang zum Hinterhaus verbirgt.  Ich wollte danach alles über Anne wissen.  Vor ein paar Jahren kaufte ich mir „Grüße und Küsse an alle“ von Miriam Pressler (die auch die neue Version von Anne Tagebuch übersetzt hat), in der über die Familie Frank und deren überlebende Verwandten berichtet wird.

Als ich Elly im Bundesarchiv recherchierte, fand ich unter dem geläufigen Nachnamen auch Annelies (also Anne Frank) und den Rest ihrer Familie.  Mir kamen die Namen sofort bekannt vor und ich brauchte eine Sekunde, um zu verstehen, dass es die Anne Frank ist.  An diesem Tag war ich schon sehr traurig, Elly letzte Spuren zu verfolgen.  Anne Frank auf einem gleichen Weg zu finden, machte mein Herz noch schwerer.

Anne Frank entschied sich im Frühjahr 1944, nicht mehr nur für sich selbst Tagebuch zu führen, sondern ihre Erinnerungen zu veröffentlichen, um die „Leiden des niederländischen Volkes während der deutschen Besatzung“ zu dokumentieren (Vorwort, Anne Frank Tagebuch, Fischer Verlag).  Dass sie diese Aufgabe immer mehr verstanden hat, bemerkt man vor allen Dingen im letzten Drittel des Tagebuches.  Es wird immer philosophischer und klarer.  Das habe ich besonders genossen.  Um mich auf diesen Artikel vorzubereiten, habe ich außerdem recherchiert, wer die Untergetauchten verraten hat.  Hierzu gibt es verschiedene Theorien, die drei mögliche Täter herausstellen.  Keine konnte es jedoch nachgewiesen werden (http://www.welt.de/print-wams/article605858/Anne-Frank-vom-Geschaeftspartner-ihres-Vaters-verraten.html).  Es sollen entweder der Lagerarbeiter Willem van Maaren, Lena Hartog-van Bladeren (eine Putzfrau, die ihren dort arbeitenden Mann (einen Lagerarbeiter) schützen wollte) oder Anton Ahlers, einen Geschäftspartner von Otto Frank.  Man kann sicherlich nie genau feststellen, wer es war.  Es ist tragisch, dass das Hinterhaus kurz vor der Befreiung verraten wurde.  Ich schaute auf den letzten Seiten immer wieder aufs Datum und wünschte mir, dass es alle geschafft hätten.

Man kann sich in weitere Geschichten über die Familie und auch entfernte Familienmitglieder verlieren.  Erwähnenswert ist zum Beispiel Eva Schloss, Anne Franks Stiefschwester.  Eva Schloss überlebte mir ihrer Mutter den Holocaust, die Otto Frank in zweiter Ehe heiratete.  Auch Eva Schloss hat ihre Memoiren herausgebracht.  Das Buch heißt „Evas Geschichte“.  Außerdem stehen natürlich verschiedene Museen zur Verfügung, in denen man sich Annes Originaltagebuch ansehen kann.  Natürlich ist da einmal das Anne Frank Haus in Amsterdam und das Anne Frank Museum hier in Berlin.  Beide habe ich besucht und kann sie empfehlen.   Es gibt auch ein neues Detail zu bestaunen: vor kurzem wurden alte Murmeln von Anne Frank dem Anne Frank Museum gestiftet.  (http://www.thehistoryblog.com/archives/29016)

Ganz persönlich habe ich in meinen Tagebüchern geblättert und alte Museumskarten gefunden.  Es ist schön, seine eigenen Aufzeichnungen durchzulesen und sich selbst noch einmal zu besuchen.

Eure Juliane

„Untergetaucht“ von Marie Jalowicz Simon

Lieber Leser,

wie versprochen kommt heute mein erster Beitrag zu den verschiedenen Büchern, die ich auf meinem Weg zu Elly Frank lese. Ich suche nach Stimmen von Untergetauchten und/oder Unterdrückten, um eine Landschaft zu bauen, in der ich die Alltäglichkeiten des damaligen Lebens verstehe. Verschiedene Altersgruppen werden mir hier ihre Welt zeigen, und ich füge sie Ellys Mosaik hinzu.  Bei allen Rezensionen gehe hier nicht klassisch auf Inhalt und Qualität ein, sondern hebe hervor, inwieweit mir das Buch das damalige Leben vermittelt und mich weitergebildet hat.

Ich begann mit  „Untergetaucht“ von Marie Jalowicz Simon (http://www.fischerverlage.de/buch/untergetaucht/9783104028972).  Das Buch schenkt uns im Einband eine Karte Berlins, auf der man Marie von 1922 bis 1945 zu ihren neunzehn Wohnungen oder Verstecken folgen kann.  Das finde ich überaus bindend und zugleich spannend.  Marie lebt bis zu ihrem ersten Unterschlupf in Berlin Mitte.   Sie taucht unter, um im Gegensatz zu den meisten Bekannten, nicht in die Arbeitslager aufbrechen zu müssen.  Sie erkennt darin ihren sicheren Tod.  Interessant ist ihre Erzählung zu Freunden und Bekannten, die einer Art Gehirnwäsche unterliegen, welche sie dazu bringt, ihre Sachen zu packen und an dem Tag ihrer Abholung mit in die Arbeitslager zu gehen.   Mit unserem heutigen Wissen von Konzentrationslagern können wir dieses Fügen nicht nachvollziehen.  Doch ich erinnerte mich an die Erzählungen Werner Babs, dass viele Menschen wie auf einer Reise ihren Schmuck und wertvolle Kleidung mitnahmen, die ihnen dann gleich bei der Ankunft im Konzentrationslager abgenommen wurde.

Der Tenor des Buches ist ehrlich und stark, und hebt dadurch natürlich Marie Jalowicz in einer Art intellektuellem Trotz von allen anderen Figuren hervor.  Genau so soll ein Buch sein und genau so empfehle ich es gerne weiter.  Was brachte es mir also auf meinem Weg zu Elly Frank bei?  Ich lernte die Fasern der Stadt kennen: Bewohner, Bezirke, Gesinnungen, Zerfall und Hoffnung.  Und wie die damaligen Gesetze das Zusammenleben veränderte: es gab die, die ein Zusammen sahen.  Andere trennten radikal.  Und irgendwie spüre ich, dass Berlin sich in seinen grundlegenden Sozialzügen nicht stark vom heutigen Berlin unterscheidet.  Natürlich haben die Wende und die Zeit einiges verändert und hervorgebracht.  Doch wie es sich wo leben ließ, erscheint mir ähnlich.  (Wer hier noch einen passenden Vergleich von damaligen und heutigen Berlin haben möchte, kann gerne „Das kunstseidene Mädchen“ von Irmgard Keun lesen.  Sehr empfehlenswert).

„Untergetaucht“  im Fischer Verlag,  kostet 19,99€.  Ich empfehle jedem Ordnungsliebhaber, das wunderschöne Cover beim Lesen zu entfernen, um Knicke und Risse vorzubeugen.  Wie ihr auf dem Foto sehen könnt, hat mein Exemplar jetzt liebevolle Schäden.  Doch ich mag diesen Charme der eigenen Bücher.  Bis zum nächsten Mal.  Das Lesen geht weiter.

Eure Juliane

P.S. Marie Jalowicz Simons Sohn Hermann ist Direktor der Stiftung Neue Synagoge Berlin – Centrum Judaicum.  Interessierte können u.a. das Museum besuchen und sich weiter informieren (http://www.centrumjudaicum.de/).

 

 

 

Virtuelle Friedhöfe

Guten Abend lieber Leser, liebe Leserin,

ich schreibe euch aus den Abendstunden.  Der Mai möchte sich nicht aufwärmen und die meiste Zeit habe ich heute im Wintermantel oder in der Wohnung verbracht.  Für mich haben die kälteren Temperaturen immer etwas mit Fleiß und Introspektive zu tun.  Also habe ich beides genutzt, um „Untergetaucht–Eine junge Frau überlebt in Berlin“ von Marie Jalowicz Simon zu Ende zu lesen. Ein sehr gutes Buch, das eine Landkarte im inneren Buchdeckel mitbringt.  Ich liebe Landkarten.  Damit lese ich ein Buch mit einer Art Lupe in den Augen.  Im Falle Marie Jalowicz‘ zeigt die Karte die Stadt Berlin und Maries Wohnorte (19 an der Zahl).  Mehr zu dem Buch–und weiteren Tagebüchern oder Memorien–die ich zur Recherche lese,  in einem separaten Eintrag.

Nachdem ich mit dem Lesen fertig war, googelte ich „Elly Frank“.  Dazu muss ich sagen, dass das so aus mir herauskam.  Ich habe auch noch keine  keine Onlinerecherche über Elly bewusst begonnen habe.  Es war immer eine Art Eingebung, die mich zur „Suche“ bewegte.  Ich zitiere hier bewusst das Wort „Suche“, weil ich weiß, dass ich sie und alles, was zu ihr gehört, „finden“ werde.  Finden ist diametral entgegengesetzt von Suchen. Es setzt voraus, dass etwas vorhanden ist und sich zeigt.  Suchen setzt voraus, dass (noch) nichts da ist.  So schaute ich auf die Einträge, viele Bilder von Ellys Postkarten, bis ich dann auf Seite 2 auf eine kuriose Webseite stieß: einen virtueller Friedhof als letzte Ruhestätte.  Findagrave.com dokumentiert den Geburts- und Todesort, sowie gegebenenfalls weitere Informationen oder Bilder zu Millionen von Personen.  Für mein Gefühl schreiben hier vor allen Dingen Mitglieder, die sich für Geschichte interessieren (manche haben über 63,000 Einträge vermerkt). Zuerst empfand ich die Idee einer solchen Datenbank als weit hergeholt.  Auf meiner Suche nach Elly empfinde ich sie jedoch als einen weiteren Anhaltspunkt, der bis jetzt der kurioseste ist.  Die Inhalte des Internet überraschen mich manchmal wirklich.

Hier ist der Eintrag zu Elly (http://www.findagrave.com/cgi-bin/fg.cgi?page=gr&GRid=107089540).  Ein weiterer Link geht zu Ellys letztem Ort, Rumbula Memorial (http://www.findagrave.com/cgi-bin/fg.cgi?page=cr&GRid=107089540&CRid=2466563&). Dort fand ich eine interessante Information heraus, die meinen Verdacht erhärteten, weswegen Elly fast sofort nach ihrer Ankunft in Riga starb.  Zitat der Seite: „Rumbula Memorial war eigentlich als Hinrichtungsort für Einwohner des Riga Ghettos geplant, um Platz für Deportierte aus Deutschland und weiteren besetzten Gebieten zu diesen.  Die ersten Hingerichteten war jedoch der erste Transport von deutschen Juden nach Riga.  Der Transport verließ Berlin am Donnerstag, den 27.11.1941 und erreichte Riga am Samstag, den 29.11.1941.  Da es keinen Platz für diese Menschen gab, wurden sie am nächsten Tag nach Rumbula gebracht und ermordet“. Wenn ihr euch für Geschichte und etwas andere Dokumentationen dazu interessiert, schaut euch die Seite an.

Ich lasse die neuen Details wie immer erst einmal sacken.  Ich wünsche euch einen schönen Abend.

Eure Juliane

Ellys letzte Spuren

Lieber Leser,

meistens schreibt man am Ende einer Geschichte vom Tod eines Menschen. Durch Ellys Leben und dessen besonderen Leitfadens fange ich fast ganz am Anfang meines Schreibens damit an.  Ich habe heute im Bundesarchiv nach ihr gesucht und bin fündig geworden:

Frank, Elly

geboren am 11. Dezember 1877 in Stolp / – / Pommern

wohnhaft in Berlin

Deportationsziel ab Berlin:

27. November 1941, Riga

Todesdatum/-ort:

30. November 1941, Riga – Rumbula

 

Die formelle Ansicht der Daten sind unter http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1050112 zu sehen.

Ich war tief traurig, als ich sah, dass Sie im Konzentrationslager gestorben ist. Das mag vielleicht naiv klingen, wenn ich eine Jüdin recherchiere, die einen Stolperstein erhalten soll.  Ich hatte am Anfang meiner Recherche jedoch keinerlei Hinweise erhalten, wo, wann oder wie Elly gestorben war.  Vielleicht hatte sie sich selbst das Leben genommen.  Vielleicht war sie geflohen. Außerdem war ich bei meiner Initialrecherche nicht auf einem Weg, der zu ihrem letzten Ort geführt hatte. Denn irgendwie sollte ich zu Anfang noch nicht gleich wissen, was passiert ist.   Das hätte mich–so jetzt aus meiner Retrospektive–zu traurig gemacht, als dass ich mit der gleichen unberührten Offenheit meine Nachforschungen betrieben hätte.  Und nun bin ich etwas vorbereiteter.

Nach meiner ersten Trauer möchte jetzt noch mehr über Elly erfahren.  Hatte sie Familie?  War sie verheiratet?  Oder hatte sie eine Liebe, die ihr etwas bedeutete?  Der Name Frank kam sehr häufig vor, was es nicht einfacher macht, Leute zuzuordnen. 1985 wurde noch eine Frank in Stolp geboren.  Alice Frank, 27. März 1885 (http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de1012808). Vielleicht war dies ihre Schwester.  Auch sie lebte in Berlin, wurde aber erst eineinhalb Jahre später nach Auschwitz deportiert.  Dazu schreibe ich später noch mehr im Detail.  Bei beiden Frauen steht nicht, dass sie verheiratet waren (wie bei anderen, siehe z.B. bei Anna Frank, geb. Meisel (http://www.bundesarchiv.de/gedenkbuch/de867157)). Das Gefühl, dass Elly verheiratet war, hatte ich von Anfang an nicht.  Ich kann nicht sagen, warum.  Es ist mein Bauchgefühl.

Ehrlich gesagt möchte ich die neuen Informationen erst mal verdauen.  Eine Tür ist aufgebrochen worden; und hinter ihr sehe ich ein Knäuel neuer Daten, aber auch aus Menschen, über die ich mich vor meiner Reise zu Elly belesen habe oder denen ich wie auch immer „begegnet“ bin.   Damit meine ich zum Beispiel Otto oder Anne Frank.  Natürlich bin ich beiden nicht im ihren Leben begegnet. Doch wenn man Bücher oder Geschichten liebt, dann ist man jedem in dieser Geschichte begegnet.  In Gedanken, in der Fantasie, im Herzen.  Ich habe Annes Tagebuch mehrere Male gelesen und besitze dazu noch das Hörbuch, gelesen von Fritzi Haberlandt (sehr zu empfehlen).  Ich war im Anne Frank Museum in Amsterdam und Berlin.  Ich habe eine Verbindung zu Anne Frank–und ich bin mir sicher, dass viele Mädchen und Frauen diese Liebe teilen.  Ich möchte Anne einen oder mehrere Artikel widmen, die im Laufe meines Schreibens kommen.  Lieber Leser, halte die Augen offen.

Es ist nun 19 Uhr und der Tag wird für mich ruhiger.  Meine Füße sind seit der heutigen Erkenntnisse etwas deutlicher am Berliner Boden.  Und selbst wenn ich in einer anderen Stadt oder einem anderen Land wohnte, wären sie es auch. Es hat mich verändert. Und das ist, so glaube ich, auch ein Leitfaden meiner Geschichte über Elly.  Sie handelt von ihr und mir.  Heute Abend gehe ich ins Bett und denke daran, dass Elly 63 Jahre alt und kurz vor ihrem 64. Geburtstag in Riga ermordet wurde.  Riga ist ca 1200km von Berlin entfernt.  Ich stelle mir vor, dass Elly sofort nach ihrer Ankunft in Riga getötet wurde.  Ob dies herzlos und zugleich erleichternd ist, kann nur Elly selbst sagen.  Plötzlich ist das Wort, das mir bleibt.  Ich bin immer noch sehr traurig.  Ich denke an Dich, Elly. Und ich denke an Dich, lieber Leser.  Vielen Dank für Deine Reise mit mir.

Eure Juliane

 

 

Meine ersten Ergebnisse zu Elly

Guten Morgen Berlin,

mein erster Tag als Rechercheur!  Das letzte Mal, dass ich zu jemandem oder einem Thema akademisch geforscht habe, war in der Universität im Jahre 2005.  Ich puste den Staub von meinen Fingerkuppen und blättere wieder in der Geschichte der Zeit. Das ist aufregend.  Heute Morgen erwachte ich mit einem frischen Kopf und leichtem Herzen, ganz aufgeregt, was und wer mir auf meinem Weg hilft.  Und da war schon jemand!

Gestern Abend hatte ich dem Archiv der bildenden Kunst (Akademie der Künste) eine Mail zu Elly geschrieben.  Eine sehr nette Mitarbeiterin schrieb mir also heute gleich zurück.  Zitat: “leider konnte ich weder im Archiv des Vereins der Berliner Künstlerinnen noch in den anderen Beständen unseres Hauses Hinweise auf die Künstlerin Elly Frank finden. Sie ist auch nicht im Künstlerinnen-Lexikon „Käthe, Paula und der ganze Rest“, Berlin 1992 erwähnt”.  Meine erste Freude zur Mail sank, nur um dann wieder einen neuen Anflug zu starten. Das war nur eine erste Information.  Es war Zeit, richtig in die Materie einzutauchen.  Ich rief die nette Dame an, um zu erfahren, was das wirklich bedeutet und wo ich als nächstes recherchieren kann.  Ich habe die Erfahrung gemacht, dass ein persönliches Gespräch, die Informationen zwischen den Zeilen freilegt: also die Gefühle und Eindrücke des anderen zu Tage bringt.  Und da liegen, so finde ich, die wirklichen Informationen und Wegweiser.  Und so bekam ich Hinweise, wo und wie ich mich weiter belesen kann:

– Archiv der “Kunstbibliothek – Staatliche Museen Berlin” (http://www.ifskb.de/)

– Archiv der “Staatliche Museen zu Berlin” (http://www.smb.museum/home.html)

–  Archiv der UdK (http://www.udk-berlin.de/sites/universitaetsarchiv/content/bestaende/index_ger.html)

und

– Kunstzeitschriften (vor damals, vielleicht auch von heute) durchzulesen.

Ich sehe viel Lese- und Augenarbeit vor mir.  Ich freue mich drauf.  Elly hat mich gefunden, und nun bin ich auf dem Weg zu ihr. Ich halte euch auf dem Laufenden.   Wenn ihr weitere Vorschläge zu meiner Recherche habt, schreibt mir gerne.

Sonniges Auf Wiedersehen.  Eure Juliane