Termin für Elly Stolperstein

Liebe Leser,

der Tag ist gekommen.  Ellys Stolperstein wird am Dienstag, den 9.2. um 10.55 Uhr verlegt.  Wenn ihr dabei sein wollt, kommt schon 30 Minuten früher, da der Künstler manchmal vor seiner Zeit arbeitet.

Ich freue mich auf den Tag, auch wenn er mich gleichzeitig mit etwas Trauer erfüllt.  Einer meiner Wege geht zu Ende.  Doch ich glaube, dass immer mal wieder kleinste, neue Informationen oder Erinnerungen an Elly meinen Weg kreuzen.  Vielleicht auch mal ein Foto, das ich leider weder im Ausland noch in Deutschland finden konnte.

Bis Dienstag,  Eure Juliane

 

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Illustrationen von Elly

Liebe Leser,

ich habe viel recherchiert und neben Postkarten auch Bücher gefunden, die von Elly illustriert wurden.  Tatjana Ruge hatte mir im Sommer erzählt, dass eine Dame in Holland bis zum ihrem Tod Werke jeglicher Art von Elly gesammelt hat.  Ein Juwel der Sammlung sind eben diese Bücher–oder so empfinde ich es auch jeden Fall.  Nun hatte ich Kontakt zum Ehemann der vor kurzem verstorbenen Frau.  Schaut selbst, was sich Elly hat einfallen lassen.

Was ich sehr interessant finde, ist, dass das Buch in den USA gedruckt wurde.  Round and round it goes.  Ich habe das Gefühl, dass Elly allgegenwärtig ist.

Eure Juliane

Buch 1 frontBuch 1 back

 

Entschädigungsbehörde für Opfer des Nationalsozialismus & Bundeszentralkartei

Liebe Leser,

auf meinen Recherchen schreibe ich immer wieder neue Ämter an, um eventuelle neue Dokumente zu Elly zu finden.  Seit meinem letzten Besuch in der Akademie der Künste, wo ich auch im Nachgang keine Informationen zu Elly gefunden habe, habe ich nun das Landesamt für Bürger- und Ordnungsangelegenheiten (LABO), Abteilung Entschädigungsbehörde für Opfer des Nationalsozialismus angeschrieben. Natürlich wollte ich hier wissen, ob es Verweise gibt, dass jemand für Elly einen Antrag gestellt hat.  Leider nicht.  Wäre dem so gewesen, stünden Renten- und Krankenversorgungsleistungen an.  Für alle, die sich hier in Berlin informieren wollen, schaut unter: http://www.berlin.de/labo/entschaedigungsbehoerde/dienstleistungen/ Jedes westliche Bundesland hat sein eigenes Amt.

Meine Sachbearbeiterin empfahl mir, mich auch noch mal bei der Bundeszentralkartei zu erkundigen.  Dorthin habe ich heute einen Brief aufgesetzt.  Hier ist Adresse: Bezierksregierung Düsseldorf, Abt. Wiedergutmachung, Postfach 30 08 65, 40408 Düsseldorf.  Vielleicht finde ich hier etwas.

Mehr verspreche ich mir von meiner Anfrage bei der Bundeszentralkartei.  Ich weiß, dass es einen Antrag Ellys bei einer damaligen Volkszählung gab–daher wissen wir auch, dass sie „Malerin / Zeichnerin“ eingetragen war.  Dies hätte ich gerne schwarz auf weiß.  Für alle, die weiterforschen wollen: http://www.bundesarchiv.de/benutzung/zeitbezug/nationalsozialismus/index.html.de

Ich warte auf Post.  Eure Juliane

Stolpersteine in der Nachbarschaft

Liebe Leser,

nach zweiwöchiger Krankheit melde ich mich wieder in der Onlinewelt zurück.  Ich habe in der Zwischenzeit mehrere Mails von meinen Lesern erhalten.  Ich freue mich immer über eure Post.  Vielen Dank für die Zeilen und Gedanken.  Dadurch wird Elly immer lebendiger: wenn ihr Name irgendwo steht, erinnern wir uns an sie.

In der Zwischenzeit erhielt ich auch eine Einladung von Frau Iris Urugel zu einer Stolpersteinverlegung in der Linienstr. 118 für die Familie Hirsch, die heute stattfand.  Siehe dazu auch: http://www.berlin.de/aktuell/ausgaben/2014/dezember/suchanzeigen/stolpersteine-fuer-familie-hirsch-linienstrasse-118-222841.php  Leider konnte ich daran heute nicht teilnehmen. Die Familie Hirsch wurde im gleichen Transport wie Elly nach Riga deportiert und sofort nach Ankunft mit über 1000 Juden am 30.11.1941 erschossen.

Auf dem Weg zu Elly gibt es auch Neuigkeiten.  Meine Reisearrangements sind fast vollständig, so dass ich bald vor Ort Geburtsurkunden und Schriftstücke einsehen kann.  Darauf freue ich mich sehr.  Haptische Fünde sind immer die besten.

Sonnige Grüße, Juliane

Anne Frank: Merwedeplein 37, Amsterdam

Liebe Leser,

ich bin wieder in Deutschland.  Mitgebracht habe ich Fotos und Eindrücke vom Merwedeplein 37, Anne Franks letzter Adresse.  Am Donnerstag wurde hier ein Stolperstein für sie selbst, ihre Schwester Margot und ihre Eltern Edith und Otto verlegt.  Man könnte annehmen, dass die Steine beim Hinterhaus in der Prinsengracht 263 platziert würden.  Doch es geht hier um den letzten Wohnort, an dem die Familie offiziell gemeldet war und gelebt hat.  Hier ist ein Video, das das Haus von außen und innen zeigt (https://www.youtube.com/watch?v=nztKxh6N7Ck), so dass ihr es euch en detail ansehen könnt.

Ich kam in der Erwartung, dass viele Besucher zum Merwedeplein kämen, doch es waren zu meinem Erstaunen nur circa 30 Leute anwesend (das ist inklusive der Reporter, der Schulklasse der Gretel Bergmann Schule aus Hamburg (die den Stein initiiert hat) und Vertretern der jüdischen Gemeinde).   Das finde ich gemessen an Anne Franks Bekanntheit erstaunlich.  Also an alle, die vielleicht gerne dabei gewesen wären: lasst die Bilder sprechen!

teine vor Verlegung with frame

Steine vor Verlegung

 Steine werden verlegt

Steine werden von Gunter Demnig verlegt

Eingangsbereich Haus Anne Frank

Eingangsbereich Haus Anne Frank

Steine sind verlegt

Steine sind verlegt

Besucher

Besucher der Zeremonie

Künstler und Rosenherz

Künstler und Rosenherz

Stolpersteine

Stolpersteine mit Kerzen

Stolpersteine der Familie Frank

Stolpersteine der Familie Frank

 

Die gesamte Zeremonie dauerte 30 Minuten, was etwas ernüchternd für denjenigen sein kann, der sich ad hoc dazu entscheidet, der Verlegung beizuwohnen.  Ich würde jedem empfehlen, sich am Tag vorher noch einmal intensiv mit dem Leben des einzelnen Opfers zu beschäftigen, damit die Zeremonie nicht „hauruck“ vorüber ist.  Ich möchte hier auch unserer neuen Freundin Anna danken, die wir vor Ort getroffen haben: vielen Dank für die Tipps und Wegbeschreibungen in Amsterdam.  Es ist eine überaus freundliche und angenehme Stadt, mit guten Cafés und Restaurants.  Und nach viel Zeit in der Kälte tat guter Kaffee und der beste Apfelkuchen (ever!) unglaublich gut.

Ende März ist Gunter Demnig wieder in Berlin (http://www.stolpersteine.eu/de/chronik/#c529), wo ich mir weitere Verlegungen ansehen werde, um ein genaueres Gefühl für diese Zeremonien zu bekommen.  Ich möchte wissen, welche Blumen oder Bilder für Elly Frank passend sind, wie ich ihren Ehrentag gestalten möchte.  Anne Franks Stolperstein war eine einmaliger Premiere und nun geht es weiter, noch näher auf meiner Reise zu Elly Frank.

Eure Juliane

P.S. Für alle, die gerne Amsterdam besuchen möchten, hier eine Liste guter Restaurants und Cafés:

Restaurant Villa Zeezicht, Torensteeg 7

Café Il Momento (http://www.caffeilmomento.nl/)  <– auf jeden Fall besuchen!

Restaurant Moeders (http://www.moeders.com/)

Zest for Life (http://www.zestforlife.nl/)

Archiv in der Akademie der Künste

Liebe Leser,

nächste Woche recherchiere ich Ellys Ausbildung in der Mal- und Zeichenschule des Vereins der Künstlerinnen. Es sieht so aus, als habe sie dort ihr Handwerk gelernt, aber keine Mitgliedschaft wahr genommen.  Wieder mal habe ich das Gefühl, dass sie hier vorbei gehuscht aber nicht geblieben ist.  Es ist ein bisschen wie Fangen zu spielen.

Die Geschichte der Vereins Berliner Künstlerinnen ist sehr interessant: http://www.vdbk1867.de/geschichte/zeichenschule.html    1893 bezog man eine neue Ausbildungsstätte in der Potsdamer Str. 98, die 3 Kilometer von der Klopstockstraße 54 entfernt ist–Ellys letztem Wohnort.  Ich weiß nicht, ob sie dort lange gewohnt hat.  Vielleicht ist sie öfter umgezogen.  Aber gehen wir mal davon aus, dass sie dort einige Zeit lebte.  Dann hatte sie zur Malschule einen Fußweg von circa 40 Minuten.  Ich denke außerdem, dass sie um 1900 ihre Ausbildung erhalten hat.  1905 wurden ihre Postkarten schon veröffentlicht.  Es kann sein, dass sie nach Ihren Veröffentlichungen nicht mehr lange Unterricht genommen hat. Doch das lasse ich offen: es ist etwas, das ich nicht weiß.  Dann kann die Information nachher noch eingefügt werden, sollte ich sie finden.

Die Schüler und Lehrer der Zeichen- und Malschule sind beeindruckend: Clara Siewert, Maria Slavona sowie Käthe Kollwitz.  1944 wurde sie leider geschlossen.  Am Mittwoch weiß ich mehr über Elly und über das Leben als Künstlerin.  Und natürlich werde ich berichten.

Schönes Wochenende, Eure Juliane

Berlin mit Kunstseide und Irmgard Keun

Das kunstseidene Mädchen, Irmgard Keun

Das kunstseidene Mädchen, Irmgard Keun

Lieber Leser,

ich bin nach meinen Winterferien wieder am Schreibtisch.  Während meiner literarischen Abwesenheit habe ich Ellys Spuren in Berlin verfolgt.  Wer waren ihre Nachbarn und wo hat sie sich zu welchen Zeiten aufgehalten?  Ich habe schon Nachbarn gefunden (dazu später mehr). Dabei stieß ich unausweichlich auf die Frage, wie das Leben in Berlin in den 20er und 30er Jahren war. Denn wenn ich mehr von dem damaligen Berlin verstehe, sehe ich auch Elly deutlicher.  Bevor ich historische Ereignisse oder Eindrücke aufzähle, möchte ich zuerst ein Buch erwähnen, das diese Zeit sehr gut erfasst: Das kunstseidene Mädchen von Irmgard Keun.  Wenn man hier eintaucht, kann man sich sehr gut vorstellen, in welchem Umfeld Ellys in ihrer Schaffenszeit gelebt hat.  Und wie wir heute auch wissen: jeder sucht sich die Stadt aus, in die er am besten passt.

Ich habe Das kunstseidene Mädchen im Juni 2010 gelesen (ich schreibe immer das Datum auf die letzte Seite eines jeden gelesenen Buches).  Hier der Klappentext: „Doris ist Sekretärin bei einem zudringlichen Rechtsanwalt.  Sie nicht mehr tagaus, tagein lange Briefe tippen, sondern ein Star werden.  Sie will in die große Welt, ins Berlin der Roaring Twenties…“  Im Buch zieht Doris durch Berlin, feiert, lässt sich von reichen, älteren Männern einladen.  Zu jeder Zeit gibt es irgendwo eine Party.  Dieses Berlin fühlte sich damals (fast) genau so wie das Berlin von heute an.  Bei vielen Passagen, die in Bars oder Clubs stattfinden, konnte ich eine Bar von heute vor mir sehen.  Ich werde hier nicht viel der Geschichte verraten.  Man lernt die Hauptstadt noch mal ganz neu (und dann doch nicht?) kennen.  Als Berliner gehört das Buch in jede Wohnung–und als Freund von Elly Frank jetzt auch.

Ich stelle mir also vor, dass Elly sich vom ewigen Freiheitsgefühl dieser Stadt angezogen fühlte. Das muss ein Teil ihrer Lebensgeschichte sein.  Und da ich bei dieser Recherche auch etwas Fantasie mitbringe, stelle ich mir vor, dass ihre Geschichte auch ein Weg der Boheme und der Rebellion war.  Wahrscheinlich hat ihr familiäres Umfeld nicht unterstützt, dass sie gemalt hat.  Sie war laut Akten nicht verheiratet.  Sicherlich wollte ihre Familie die jüdischen Traditionen und Wurzeln ehren und sie mit jemandem aus dem Umfeld verheiraten.  Vielleicht wollte sie auch nicht auf die traditionelle Weise Kunst schaffen und sich lieber von der Avantgarde in Berlin beeinflussen lassen.  Das macht sie umso sympathischer.

Beim nächsten Artikel werde ich euch verraten, was ich über Ellys Nachbarschaft in der Klopstockstraße erfahren habe.  Ich werde euch außerdem von meine kommende Reise nach Polen berichten.

Einen schönen Abend, Eure Juliane

Virtuelle Friedhöfe

Guten Abend lieber Leser, liebe Leserin,

ich schreibe euch aus den Abendstunden.  Der Mai möchte sich nicht aufwärmen und die meiste Zeit habe ich heute im Wintermantel oder in der Wohnung verbracht.  Für mich haben die kälteren Temperaturen immer etwas mit Fleiß und Introspektive zu tun.  Also habe ich beides genutzt, um „Untergetaucht–Eine junge Frau überlebt in Berlin“ von Marie Jalowicz Simon zu Ende zu lesen. Ein sehr gutes Buch, das eine Landkarte im inneren Buchdeckel mitbringt.  Ich liebe Landkarten.  Damit lese ich ein Buch mit einer Art Lupe in den Augen.  Im Falle Marie Jalowicz‘ zeigt die Karte die Stadt Berlin und Maries Wohnorte (19 an der Zahl).  Mehr zu dem Buch–und weiteren Tagebüchern oder Memorien–die ich zur Recherche lese,  in einem separaten Eintrag.

Nachdem ich mit dem Lesen fertig war, googelte ich „Elly Frank“.  Dazu muss ich sagen, dass das so aus mir herauskam.  Ich habe auch noch keine  keine Onlinerecherche über Elly bewusst begonnen habe.  Es war immer eine Art Eingebung, die mich zur „Suche“ bewegte.  Ich zitiere hier bewusst das Wort „Suche“, weil ich weiß, dass ich sie und alles, was zu ihr gehört, „finden“ werde.  Finden ist diametral entgegengesetzt von Suchen. Es setzt voraus, dass etwas vorhanden ist und sich zeigt.  Suchen setzt voraus, dass (noch) nichts da ist.  So schaute ich auf die Einträge, viele Bilder von Ellys Postkarten, bis ich dann auf Seite 2 auf eine kuriose Webseite stieß: einen virtueller Friedhof als letzte Ruhestätte.  Findagrave.com dokumentiert den Geburts- und Todesort, sowie gegebenenfalls weitere Informationen oder Bilder zu Millionen von Personen.  Für mein Gefühl schreiben hier vor allen Dingen Mitglieder, die sich für Geschichte interessieren (manche haben über 63,000 Einträge vermerkt). Zuerst empfand ich die Idee einer solchen Datenbank als weit hergeholt.  Auf meiner Suche nach Elly empfinde ich sie jedoch als einen weiteren Anhaltspunkt, der bis jetzt der kurioseste ist.  Die Inhalte des Internet überraschen mich manchmal wirklich.

Hier ist der Eintrag zu Elly (http://www.findagrave.com/cgi-bin/fg.cgi?page=gr&GRid=107089540).  Ein weiterer Link geht zu Ellys letztem Ort, Rumbula Memorial (http://www.findagrave.com/cgi-bin/fg.cgi?page=cr&GRid=107089540&CRid=2466563&amp;). Dort fand ich eine interessante Information heraus, die meinen Verdacht erhärteten, weswegen Elly fast sofort nach ihrer Ankunft in Riga starb.  Zitat der Seite: „Rumbula Memorial war eigentlich als Hinrichtungsort für Einwohner des Riga Ghettos geplant, um Platz für Deportierte aus Deutschland und weiteren besetzten Gebieten zu diesen.  Die ersten Hingerichteten war jedoch der erste Transport von deutschen Juden nach Riga.  Der Transport verließ Berlin am Donnerstag, den 27.11.1941 und erreichte Riga am Samstag, den 29.11.1941.  Da es keinen Platz für diese Menschen gab, wurden sie am nächsten Tag nach Rumbula gebracht und ermordet“. Wenn ihr euch für Geschichte und etwas andere Dokumentationen dazu interessiert, schaut euch die Seite an.

Ich lasse die neuen Details wie immer erst einmal sacken.  Ich wünsche euch einen schönen Abend.

Eure Juliane