Stolpersteine in der Nachbarschaft

Liebe Leser,

nach zweiwöchiger Krankheit melde ich mich wieder in der Onlinewelt zurück.  Ich habe in der Zwischenzeit mehrere Mails von meinen Lesern erhalten.  Ich freue mich immer über eure Post.  Vielen Dank für die Zeilen und Gedanken.  Dadurch wird Elly immer lebendiger: wenn ihr Name irgendwo steht, erinnern wir uns an sie.

In der Zwischenzeit erhielt ich auch eine Einladung von Frau Iris Urugel zu einer Stolpersteinverlegung in der Linienstr. 118 für die Familie Hirsch, die heute stattfand.  Siehe dazu auch: http://www.berlin.de/aktuell/ausgaben/2014/dezember/suchanzeigen/stolpersteine-fuer-familie-hirsch-linienstrasse-118-222841.php  Leider konnte ich daran heute nicht teilnehmen. Die Familie Hirsch wurde im gleichen Transport wie Elly nach Riga deportiert und sofort nach Ankunft mit über 1000 Juden am 30.11.1941 erschossen.

Auf dem Weg zu Elly gibt es auch Neuigkeiten.  Meine Reisearrangements sind fast vollständig, so dass ich bald vor Ort Geburtsurkunden und Schriftstücke einsehen kann.  Darauf freue ich mich sehr.  Haptische Fünde sind immer die besten.

Sonnige Grüße, Juliane

Die Berliner Woche & Elly Frank

Danke an die Berliner Woche, die über mein Suchen und Finden von Elly berichtet hat: http://www.berliner-woche.de/mitte/politik/malerin-elly-frank-juliane-schneider-recherchiert-fuer-einen-stolperstein-d71073.html

Schönen Wochenstart an alle,

Juliane

Ein Stolperstein für Anne Frank

Liebe Leser,

am 26.2. werden für Anne Frank und ihre Familie vor dem „Hinterhaus“ in Amsterdam Stolpersteine verlegt (siehe http://www.stolpersteine.eu/chronik/#c529  und http://www.annefrank.org/de/) . Wenn ihr dabei sein wollt,  steht früh auf.  Die Verlegung beginnt um 10 Uhr.  Ich überlege tatsächlich, mein Köfferchen zu packen und in die wunderschöne Stadt Amsterdam zu reisen.

Eure JulianeAnne Frank Buchkollektion mit Rahmen

Archiv in der Akademie der Künste

Liebe Leser,

nächste Woche recherchiere ich Ellys Ausbildung in der Mal- und Zeichenschule des Vereins der Künstlerinnen. Es sieht so aus, als habe sie dort ihr Handwerk gelernt, aber keine Mitgliedschaft wahr genommen.  Wieder mal habe ich das Gefühl, dass sie hier vorbei gehuscht aber nicht geblieben ist.  Es ist ein bisschen wie Fangen zu spielen.

Die Geschichte der Vereins Berliner Künstlerinnen ist sehr interessant: http://www.vdbk1867.de/geschichte/zeichenschule.html    1893 bezog man eine neue Ausbildungsstätte in der Potsdamer Str. 98, die 3 Kilometer von der Klopstockstraße 54 entfernt ist–Ellys letztem Wohnort.  Ich weiß nicht, ob sie dort lange gewohnt hat.  Vielleicht ist sie öfter umgezogen.  Aber gehen wir mal davon aus, dass sie dort einige Zeit lebte.  Dann hatte sie zur Malschule einen Fußweg von circa 40 Minuten.  Ich denke außerdem, dass sie um 1900 ihre Ausbildung erhalten hat.  1905 wurden ihre Postkarten schon veröffentlicht.  Es kann sein, dass sie nach Ihren Veröffentlichungen nicht mehr lange Unterricht genommen hat. Doch das lasse ich offen: es ist etwas, das ich nicht weiß.  Dann kann die Information nachher noch eingefügt werden, sollte ich sie finden.

Die Schüler und Lehrer der Zeichen- und Malschule sind beeindruckend: Clara Siewert, Maria Slavona sowie Käthe Kollwitz.  1944 wurde sie leider geschlossen.  Am Mittwoch weiß ich mehr über Elly und über das Leben als Künstlerin.  Und natürlich werde ich berichten.

Schönes Wochenende, Eure Juliane

Postkarten von Bartko und Reher

Liebe Leser,

letzte Woche habe ich mir ein paar–nun gut–einige neue Postkarten bei Bartko und Reher von Elly gekauft.  Ich werde sie häppchenweise zeigen, damit auch alle Exemplare zur Geltung kommen.  Natürlich ist die Postkarte, soweit sie gelaufen ist, genauso auch auf der Rückseite spannend.  Ich nehme diese neuen Beweisstücke als Anknüpfungspunkte, neue Details über Elly zu erfahren.  Sie war eine vielseitige und detailliebende Künstlerin.  Also, taucht ein und schaut her.

Eure JulianeElly neue Postkarten 2.2.2015 mit Rahmen Rückseite Postkarten Elly Frank 2.2.2015 mit Rahmen

Freundschaften in Brasilien

flagge-brasilien mit rahmenLiebe Leser,

heute geht mein Post vor allen Dingen an meine Freunde in Brasilien.  Ihr seid laut meiner Statistik meine größte Lesergruppe.  Vielen Dank für eure Treue.  Ich würde euch gerne kennen lernen und mehr von euch erfahren.  Kanntet ihr Elly?  Kennt ihr Familie oder Freunde von Elly? Schreibt mir an ellyfrankberlin@gmail.com  Ich möchte mich sehr gerne mit euch austauschen–gerne auch auf Englisch oder Portugiesisch.

Eure Juliane

Berlin mit Kunstseide und Irmgard Keun

Das kunstseidene Mädchen, Irmgard Keun

Das kunstseidene Mädchen, Irmgard Keun

Lieber Leser,

ich bin nach meinen Winterferien wieder am Schreibtisch.  Während meiner literarischen Abwesenheit habe ich Ellys Spuren in Berlin verfolgt.  Wer waren ihre Nachbarn und wo hat sie sich zu welchen Zeiten aufgehalten?  Ich habe schon Nachbarn gefunden (dazu später mehr). Dabei stieß ich unausweichlich auf die Frage, wie das Leben in Berlin in den 20er und 30er Jahren war. Denn wenn ich mehr von dem damaligen Berlin verstehe, sehe ich auch Elly deutlicher.  Bevor ich historische Ereignisse oder Eindrücke aufzähle, möchte ich zuerst ein Buch erwähnen, das diese Zeit sehr gut erfasst: Das kunstseidene Mädchen von Irmgard Keun.  Wenn man hier eintaucht, kann man sich sehr gut vorstellen, in welchem Umfeld Ellys in ihrer Schaffenszeit gelebt hat.  Und wie wir heute auch wissen: jeder sucht sich die Stadt aus, in die er am besten passt.

Ich habe Das kunstseidene Mädchen im Juni 2010 gelesen (ich schreibe immer das Datum auf die letzte Seite eines jeden gelesenen Buches).  Hier der Klappentext: „Doris ist Sekretärin bei einem zudringlichen Rechtsanwalt.  Sie nicht mehr tagaus, tagein lange Briefe tippen, sondern ein Star werden.  Sie will in die große Welt, ins Berlin der Roaring Twenties…“  Im Buch zieht Doris durch Berlin, feiert, lässt sich von reichen, älteren Männern einladen.  Zu jeder Zeit gibt es irgendwo eine Party.  Dieses Berlin fühlte sich damals (fast) genau so wie das Berlin von heute an.  Bei vielen Passagen, die in Bars oder Clubs stattfinden, konnte ich eine Bar von heute vor mir sehen.  Ich werde hier nicht viel der Geschichte verraten.  Man lernt die Hauptstadt noch mal ganz neu (und dann doch nicht?) kennen.  Als Berliner gehört das Buch in jede Wohnung–und als Freund von Elly Frank jetzt auch.

Ich stelle mir also vor, dass Elly sich vom ewigen Freiheitsgefühl dieser Stadt angezogen fühlte. Das muss ein Teil ihrer Lebensgeschichte sein.  Und da ich bei dieser Recherche auch etwas Fantasie mitbringe, stelle ich mir vor, dass ihre Geschichte auch ein Weg der Boheme und der Rebellion war.  Wahrscheinlich hat ihr familiäres Umfeld nicht unterstützt, dass sie gemalt hat.  Sie war laut Akten nicht verheiratet.  Sicherlich wollte ihre Familie die jüdischen Traditionen und Wurzeln ehren und sie mit jemandem aus dem Umfeld verheiraten.  Vielleicht wollte sie auch nicht auf die traditionelle Weise Kunst schaffen und sich lieber von der Avantgarde in Berlin beeinflussen lassen.  Das macht sie umso sympathischer.

Beim nächsten Artikel werde ich euch verraten, was ich über Ellys Nachbarschaft in der Klopstockstraße erfahren habe.  Ich werde euch außerdem von meine kommende Reise nach Polen berichten.

Einen schönen Abend, Eure Juliane

Übersetzung meiner Elly Frank Postkarte

Lieber Leser,

ich möchte euch die Übersetzung des Sütterlintextes auf der Postkarte, die ich vor kurzem erstanden habe, nicht vorenthalten.  Susanne Besch von Pfefferwerk hat sich als Übersetzerin ans Werk gemacht.  Es handelt sich um eine Nachricht aus dem ersten Weltkrieg.  Sie ist vor 99 Jahren geschrieben worden und macht das Leben in Deutschland im Jahr 1915 eindeutig spürbar.

Eure Juliane

 

Feldpost

Landsturm

Eduard Heinrich.

Inf. Reg. 93.4. Armeekorps.

  1. Inf. Division 3. Batt
  2. Kanpagnie

Berlin den 21.10.15.

Lieber Vater!

Ich teile dir mit das wir noch gesund und munter sind

und hoffen von dir des gleichem. Lieber Vater warum schreibst

du denn nicht ist dir etwas zugestoßen oder hast du keine

Zeit zum schreiben? Wir warten schon alle Tage

auf deinem Brief oder Karte aber wir bekommen

nichts all unser warten ist vergebens. Lieber

Vater deine Kameraden Wischer und Heuck schrei-

ben öfter schreibe du doch auch einmal an uns.

Lieber Vater schreibe uns doch mit was du

brauchst wir würden dir gerne was schicken.

Onkel Johann hat auch geschrieben er ist noch

gesund und munter das hoffen wir auch von dir.

Es grüßt dich Mutter und Kinder.

Abs.   Elisabeth Heinrich

Berlin O 112

Mirbachstr. 47 (heute Bänschstraße, Friedrichshain.  Siehe http://www.luise-berlin.de/strassen/bez05h/m486.htm)